Meine Rezension

Ich hatte vor ein paar Jahre eine Rezension über TimeLine für den Blog Use Linux verfasst. Nachdem der Blog nun leider offline ist, hier der Text:


Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte - Zeitleisten mit der OpenSource-Software TimeLine

Gemäß dieser Theorie war ich auf der Suche nach einem Programm, um zeitliche Ereignisse zu visualisieren. Timelines oder Zeitleisten heißen solche Grafiken…

Als langjähriger Macintosh-Anwender fand ich schnell eine Software namens TimeLine 3D [https://www.beedocs.com/timeline3D/mac/]. Die sah zwar wie die meisten macOS-Applikationen sehr gut aus, war aber arg starr bei ihrer grafischen Ausgabe. So ließ sich die automatische Anordnung der Ereignisse nicht beeinflussen. Fazit: Teuer und für mich leider unbrauchbar.

Parallel dazu habe ich mich seit einem Jahr auch mit Linux beschäftigt und mir Ubuntu 16.04 LTS installiert.

Der dortige Store und die Paketverwaltung Synaptic lieferten auf der Suche nach „Timeline“ keine Treffer, dafür stieß ich im Netz auf die Seiten des gleichnamigen OpenSource-Projektes [http://thetimelineproj.sourceforge.net]. Das kleine Python-Programm war schnell geladen, entpackt und via Rechtsklick gestartet.

Die Oberfläche wird von einer horizontalen Zeitachse dominiert, die Menüs sind inzwischen größtenteil aus dem englischen Original ins Deutsche übersetzt. Ebenso die integrierte Onlinehilfe, die aber leider sehr rudimentär gehalten ist:

Auf Wunsch erstellt TimeLine eine Zeitleiste mit verschiedenen Elementen zur Einführung, mit der man rumexperimentieren kann:

Da ich trotz dieser beiden Hilfemöglichkeiten keine Beschreibung fand, wie man eine individuelle Zeitachse definiert, stand ich anfangs leicht auf dem Schlauch: Eine Anfrage deswegen in der englischsprachigen Mailingliste des TimeLine-Projektes brachte leider nur 3 originelle E-Mails, dass "wer die Software installieren, sie auch bedienen kann". Naja…

Durch stetiges Rumprobieren meisterte ich auch diese Einstiegshürde und kam schnell dahinter, dass TimeLine eine fixe Zeitachse von 4714 vor Christus bis mindestens ins 99. Jahrhundert vorgibt.

Ich erstellte mir zunächst eine zeitliche Übersicht von bekannten Komponisten, die eine befreundete Lehrerin für ihre Schüler benötigte.

TimeLine kann derzeit drei verschiedene Ereignis-Typen verwalten:

  1. Einmalige Ereignisse (ein Gemälde, ein Film, die Geburt des Kindes…) – also Zeitpunkte – werden oberhalb der Zeitachse angeordnet.

  2. Ereignisse mit Dauer (Autos, Reisen, Beziehungen…) – also Zeiträume – werden unterhalb der Zeitachse angeordnet

  3. Meilensteine werden direkt auf der Achse gesetzt

Stichwort Oberfläche: Man kann mehrere Ären (Ära = Zeitalter) definieren, die für unterschiedliche Hintergründe bestimmter Zeitbereiche sorgen, ich habe das bei den obingen Komponisten für jedes Jahrhundert angelegt.

Nochmal zurück zu den Ereignissen, denen man im Editor mehrere Zugaben bescheren kann: Die Beschreibung ist ein Zusatztext, den man per Maus temporär oder permanent anzeigen kann. Zusätzlich lässt sich ein Bild einbinden.
Ein Alarm mit Datum, Uhrzeit und Benachrichtigung kann ebenso wie eine URL integriert werden. Und für laufende Projekte lassen sich optische Fortschrittsbalken einblenden.

Um die Ereignisbalken zur besseren Unterscheidung einzufärben, vergibt man im Editor optional Kategorien, die einen Namen und eine definierbare Farbe bekommen. Für meinen Kinoblog [heilbronnerkinos.wordpress.com] habe ich eine Auflistung der Filmtheater meiner Heimatstadt gebastelt. Hier kann man auch sehen, wie TimeLine mit einmaligen Ereignissen (also jenem mit nur einem Datum) verfährt: diese werden oberhalb der Zeitachse platziert.

Es ist zudem möglich, im Editor mehrere Ereignisse in einem sogenannten Behälter zu gruppieren, diese Möglichkeit nutze ich derzeit noch nicht.

TimeLine kann auf Wunsch die Zeitleisten komprimieren: Dabei werden zeitlich nacheinander ablaufende Ereignisse automatisch nebeneinander gestellt, um Platz zu sparen. In meinem Komponistendiagramm kann man das sehr gut sehen.

Als großes Plus empfinde ich die Möglichkeit, jedes Ereignis nachträglich vertikal umsetzen zu könnnen, in dem man es anklickt und mit den Cursortasten zeilenweise nach oben oder unten verschiebt. So konnte ich in meiner Kinozeitleiste alle Kinos in einem Gebäude manuell zusammenführen…

Hat man seine Ereignisse eingegeben, gilt es die Darstellung auf dem Bildschirm zu optimieren. Das geht bequem mit der Maus:

  • Mit gedrückter Maustaste oder dem Mausrad verschiebt man die Szenerie horizontal

  • Mit gedrückter Shift-Taste hingegen vertikal

  • Hält man die CTRL-Taste gedrückt, zoomt man in der Darstellung rein oder raus

  • Die ALT-Taste schließlich macht die Ereignisbalken nebst Schrift kleiner oder größer.

Eine Druckfunktion sucht man übrigens vergebens (ich habe mich anfangs mit der Screenshotfunktion von Ubuntu beholfen), dafür steht der Export in verschiedenen Formaten (Pixelbild, SVG…) und Modi zur Verfügung.

Datenverlust sollte es mit TimeLine keinen geben, das Programm sichert alle Änderungen und Neueingaben automatisch. Neue Zeitleisten sollte man daher mit der Funktion „Speichern unter“ anlegen. Die Software generiert übrigens lupenreine Textdateien im XML-Format, diese können auch mit einem Texteditor modifiziert werden.

Während ich diesen Artikel fertigstelle, ist die Version 1.15 Beta im Einsatz

  • Ereignisse können nun mehrere Hyperlinks enthalten, außerdem werden diese durch ein Icon angezeigt.

  • Texte in Ereignisbalken werden nun optional zentriert dargestellt.

  • Die Schriftarten und -größen können nun frei gewählt werden.

  • Die Option „Zeitleisten komprimieren“ hat nun eine Undo-Funktion, da sie die Positionen der Ereignisse radikal verändert.

  • Die senkrechte Linie, die einmalige Ereignisse mit der X-Achse verbindet, kann nun wahlweise links oder zentriert am Balken kleben.

  • Die Reihenfolge der Werkzeuge im Ereignis-Editor kann nun verändert werden.

Mein persönliches Fazit: Mit TimeLine steht ein brauchbares Stück kostenloser Software für Linux und Windows zur Verfügung. Die Bedienung ist nicht auf den ersten [B/Kl]ick intuitiv, aber die Ergebnisse können sich sehen lassen. Wünschenswert ist eine komplette Lokalisierung der Applikation und ihrer Onlinehilfe.

Das Programm wird stetig weiter entwickelt, so ist für den Oktober 2015 die Version 1.8 angekündigt.

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